Positive Autorität – Sozialtraining – Mobbingintervention
Die elftägige Fortbildung ist Teil des Präventionsprogramms Konflikt-KULTUR und richtet sich an Fachkräfte, die lernen möchten, wie man Gruppen und Schulklassen professionell führt, demokratiepädagogisch soziales Lernen anregt sowie Mobbing vorbeugt bzw. bestehendes Mobbing erkennt und beendet. Ziel der Fortbildung ist eine professionelle Beziehungsgestaltung als Grundvoraussetzung für psychosoziale Gesundheit und Lernerfolg. Die Fortbildung besteht aus drei Teilen.
Kursdaten:
27.-30.05.26 + 09.-12.09.26 + 04.-06.03.27 (= 11 Tage)
jeweils von 08:30 – 16:30 Uhr (inkl. Pausen)
Anmeldeschluss:
30. März 2026
Kosten:
CHF 2'200 für 11 Tage
Zertifizierung: CHF 500 zusätzlich
Veranstaltungsort:
HFS Zizers
Höhere Fachschule für Sozialpädagogik
Kantonsstrasse 8
7205 Zizers
Kursleitung:
Thomas Grüner
Diplom-Psychologe, HAKOMI-Therapeut und Ausbilder für Mediation und Tat-Ausgleich. Mehrjährige Tätigkeit im Kinder- und Jugendschutz. Gründer und Leiter des Instituts für Konflikt-Kultur in Freiburg (www.konflikt-kultur-freiburg.de). Seit 1997 ist Thomas Grüner in der Organisations- und Schulentwicklung tätig und bildet bundesweit sowie in Österreich und in der Schweiz Fachkräfte in den Methoden des Mehr-Ebenen-Programms Konflikt-KULTUR aus.
Veranstalter:
Höhere Fachschule für Sozialpädagogik (HFS Zizers)
Zertifizierung
Die Teilnahme an der Veranstaltung wird bestätigt.
Zusätzlich kann das kostenpflichtige Zertifikat «Fachberater:in für Positive Autorität, Sozialtraining und Mobbingintervention in Schule und Jugendhilfe» erworben werden.
Voraussetzungen sind:
Vollständige Teilnahme
Praxisnachweis von zwei Präventions- und Interventionsmassnahmen inklusive Nachsorge sowie Dokumentation dieser Massnahmen
Leitung von Informationsveranstaltungen für Kollegien und Eltern
Videosupervision
Intervision
Zielpersonen
Diese Fortbildung ist Teil des Präventionsprogramms Konflikt-KULTUR und richtet sich an Fachkräfte, die lernen möchten, wie man Gruppen und Schulklassen professionell führt, demokratiepädagogisch soziales Lernen anregt, sowie Mobbing vorbeugt bzw. bestehendes Mobbing erkennt und beendet.
Aufbau Kurs
Die Fortbildung besteht aus drei Teilen:
1. Positive Autorität und Resilienz
Beziehungsarbeit und Classroom Management als Basis für Lernerfolg und psychosoziale Gesundheit
Die Arbeit mit Gruppen und Schulklassen ist eine grosse Herausforderung, die viel persönliche Stärke erfordert. Es geht darum, Stärke zu zeigen, ohne in autoritäres Verhalten abzugleiten. Stärke statt Macht ist das Ziel. Wichtige Stichwörter sind: Transparenz, klare Zielsetzungen, Vorbildfunktion, Motivation und Schutz.
Die Lernerfolgsforschung zeigt, dass der Schulerfolg sowohl von einer positiven Lehrer-Schüler-Beziehung als auch vom Training exekutiver Funktionen abhängt. Besonders wichtig ist hierbei die Fähigkeit zur Selbst- und Impulskontrolle (Inhibition). Zentral dafür ist ein konsequentes Training der Metakompetenzen Bedürfnisaufschub und Frustrationstoleranz. Diese sind nicht nur Voraussetzung für offene Lernformen, sondern stärken auch die Resilienz von Kindern und Jugendlichen und wirken präventiv gegen Gewalt, Sucht und andere Auffälligkeiten.
Fortbildungsinhalte:
Autoritativ statt autoritär:
Die Beziehungsdimensionen Responsivität (verstehende Zuwendung) und Führung im Zusammenspiel.Ausdauer schlägt Talent:
Der präfrontale Cortex und die damit verbundenen Metakompetenzen. Selbstkontrolle und Selbstregulation als Voraussetzung für die Nutzung eigener Potenziale.Halt und Schutz geben:
Professionell mit Regeln, Verhaltensaufforderungen und Auszeiten arbeiten.Stark werden:
Alltagsnahes Training von Bedürfnisaufschub, Frustrationstoleranz und Selbstbeherrschung.In der Ruhe liegt die Kraft:
Techniken zur Förderung von Selbstregulation und Arousal-Senkung. Inseln der Stille als Orte der Sicherheit, Entspannung und Ruhe.Vorfreude ist die schönste Freude:
Glückshormone und Motivationspädagogik. Dopamin, Opioide, Oxytocin und ihre pädagogische Relevanz.Dafür lohnt es sich:
Verhaltensmotivation durch professionelle AnerkennungssystemeMuss Strafe sein?
Sanktionsforschung und ihre pädagogische Umsetzung.Deeskalation
bei herausforderndem und aggressiv-oppositionellem Verhalten.Stress und Burnout vermeiden:
Haltung zeigen – Gelassenheit finden.
2. Demokratie lernen und leben – Sozialtraining und Mobbingprävention
Im Sozialtraining geht es um Selbstregulation und Demokratiepädagogik und darum, wie alltägliche Konflikte zwischen Kindern und Jugendlichen in Schulklassen oder festen Gruppen genutzt werden können, um soziales Lernen anzuregen sowie personale und kommunikative Kompetenzen zu stärken. An zwei Fortbildungstagen findet vormittags eine Methodendemonstration statt. Das Sozialtraining wird mit einer Gruppe oder Schulklasse aus dem Teilnehmerkreis demonstriert. Nachmittags werden die Methoden des Vormittags reflektiert. Ziel ist es, die Teilnehmenden in die Lage zu versetzen, diese Methoden in den eigenen Klassen oder Gruppen anzuwenden und in den Alltag zu integrieren.
Die Teilnehmenden erfahren, wie sie Kinder und Jugendliche dazu anleiten können
an den Fähigkeiten zum Bedürfnisaufschub und zur Frustrationstoleranz zu arbeiten.
ehrlich zu sein, die eigene Meinung offen zu äussern (Zivilcourage) und die Meinungen anderer zu respektieren.
Grund- und Menschenrechte und die damit verbundenen Pflichten zu erarbeiten und sich gewaltfrei zu wehren.
prosoziales Verhalten anzuerkennen und störendes Verhalten anderer offen und konstruktiv zu kritisieren.
Verantwortung für ein gutes Klassenklima zu übernehmen.
Das Sozialtraining hat positive Auswirkungen auf das soziale Klima und wirkt Mobbingprozessen entgegen. Der respektvolle Umgang miteinander, die gegenseitige Wertschätzung und der Zusammenhalt werden gestärkt. Die positiven Beziehungserfahrungen fördern zudem die Lernmotivation und führen zu einem verbesserten Arbeits- und Lernklima.
3. Das System der Schikane auflösen – Die systemische Mobbingintervention
Mobbing – das systematische und wiederholte Schikanieren, Erniedrigen und Ausgrenzen von Einzelnen – tritt vor allem in Zwangsgemeinschaften auf, aus denen Kinder und Jugendliche nicht einfach „fliehen“ können, z. B. in Heimen, Horten oder Schulen. Das Phänomen ist nicht neu. Neu hingegen sind Erkenntnisse über das Ausmass, die Folgen und die häufig unzureichenden Interventionen. Nach aktuellen Untersuchungen leidet in nahezu jeder Schulklasse mindestens ein Kind unter fortwährenden (Cyber-)Attacken und Schikanen durch Mitschülerinnen und Mitschüler. Diese Entwürdigungen und Ausgrenzungen zählen zu den schlimmsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Die Folgen für die Betroffenen sind gravierend: Gewaltfantasien, Rückzug, Depressionen, Suizidgedanken und psychosomatische Beschwerden zeigen die enorme Belastung der «Opfer». Verschärft wird die Situation dadurch, dass viele gut gemeinte Interventionen von Erwachsenen keine dauerhafte Lösung bewirken – oder die Angriffe sogar noch intensivieren.
Da Mobbing als ein gruppendynamisches Problem aufzufassen ist, das nicht nur Täter und Opfer, sondern die gesamte Schulklasse betrifft, muss die Intervention auf Klassenebene ansetzen und die ganze Gruppe einbeziehen. Mobbing ist ein Gruppenphänomen und kann nur durch eine systemische Intervention wirksam bearbeitet werden.
Die zweitägige Fortbildung thematisiert die Definitionsmerkmale sowie den phasendynamischen Verlauf von Mobbingprozessen. Darüber hinaus werden typische Interventionsfehler aufgezeigt. Anhand einer Videodemonstration wird die Systemische Mobbingintervention vorgestellt und gemeinsam reflektiert.
Teilnahme Bedingungen
Vollständige Teilnahme, Freiwilligkeit, Veränderungsmotivation und die Bereitschaft Neues zu testen.
Publikationen (Auswahl)
Bücher, Vorträge, Interviews und Videos
Interview 2022: Podcast Interview
Konflikt-KULTUR, klicksafe (Hrsg.) (2017). Was tun bei (Cyber)Mobbing? Systemische Intervention und Prävention in der Schule. Ludwigshafen: klicksafe.
Was tun bei (Cyber) Mobbing
Vortrag: Grüner, T. (2017). Bildung braucht Beziehung. Buchloe: DVD Wissen.
Grüner, T., Hilt, F. & Tilp, C. (12., vollständig überarbeitete Neuauflage 2015). „Bei STOPP ist Schluss!“ Werte und Regeln vermitteln. Hamburg: AOL.
Bei STOPP ist Schluss!
Grüner, T., Hilt, F. & Tilp, C. (2015). Streitschlichtung mit Schülermediatoren. Auswahl – Ausbildung – Begleitung. Hamburg: AOL.
Streitschlichtung mit Schülermediatoren
Video des Schulpsychologischen Beratungszentrums Ludwigshafen zum Classroom-Management (2015)
Video Classroom Management
Grüner, T. (2010). Die kleine Elternschule. Was Kinder stark und glücklich macht. Freiburg: Herder.
Fachartikel
Grüner, T. (2015). Mediation von Schülerkonflikten – Chancen und Herausforderungen. In K. Seifried, S. Drewes & M. Hasselhorn (Hrsg.), Handbuch Schulpsychologie. (S. 382-393). Stgt: Kohlhammer.
Grüner, T. & Hilt, F. (2011). Systemische Mobbingprävention und Mobbingintervention. In A. Huber (Hrsg.), Anti-Mobbing-Strategien für die Schule. (S. 89-106). Köln: Wolters Kluwer.
Grüner, T. (2010). Olweus in der Praxis. Erfolgsbedingungen von Mehr-Ebenen-Programmen zur Gewaltprävention. In B. Bannenberg & Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes (Hrsg.), Herausforderung Gewalt. (S. 59-91). Stuttgart.
Grüner, T. (2008). Der Täter-Opfer-Ausgleich. In A. Schröder, H. Rademacher & A. Merkle (Hrsg.), Handbuch Konflikt- und Gewaltpädagogik. (S. 121-133). Schwalbach: Wochenschau.
Grüner, T. (2006). Erfolgsbedingungen von Mehr-Ebenen-Programmen zur Gewaltprävention. In B. Bannenberg & D. Rössner (Hrsg.), Erfolgreich gegen Gewalt in Kindergärten und Schulen (S. 81-134). München: C. H. Beck.
Käppler, C., Grüner, T., Höfler, S. & Hilt, F. (2006). Schule und Konflikt-KULTUR. In H.-C. Steinhausen (Hrsg.), Schule und psychische Störungen (S. 311-328). Stuttgart: Kohlhammer.